Mit der stetig wachsenden Vernetzung der Haushalte in Deutschland und der ansteigenden Durchdringung des Alltaglebens durch das Internet geht bisher weitestgehend unbemerkt eine zunehmende Verlagerung der Handelsstrukturen ins Netz einher – derzeit zu beobachten am Beispiel des Erwerbs und Vertriebs von Nahrungsmitteln. Obwohl nach einer Studie von 2006 eine Mehrheit der Befragten noch angab, dass Lebensmittel zu jenen Warengruppen gehörten, die sie keinesfalls online bestellen würden, scheint die Gewohnheit, die sich im Umgang mit dem Internet in breiten Bevölkerungsschichten immer mehr verbreitet, eben diese Hemmschwellen abzubauen.
So eroberte der aktuelle Branchenführer im Online-Versandhandel amazon.de den Markt zunächst mit logistisch vergleichsweise wenig anspruchsvollen Gütern wie Büchern und CDs bzw. DVDs, um dann sein Sortiment auszuweiten auf elektronische Produkte, Haushalts- und Küchengeräte, Kleidung, Kfz-Zubehör, Spielzeug, bis im Jahr 2010 im amazon marketplace schließlich auch Lebensmittelangeboten wurden.
Den Vorurteilen, die von Kundenseite gegenüber dem online Erwerb von Lebensmitteln existieren, z. B. mangelnde Qualitätskontrolle oder fehlende Beratung, stehen reale Vorteile gegenüber, wie die Übernahme des Transports der Nahrungsmittel durch den Verkäufer und die Unabhängigkeit von arbeitnehmerunfreundlichen Ladenöffnungszeiten, die sich in immer höherem Maße durchsetzen.
Eines der Unternehmen, die sich eine Stellung auf dem wachsenden Markt des Online-Vertriebs von Lebensmitteln gesichert hat, ist beispielsweise das Internet Startup lieferando , das den Zugriff auf das Angebot von über 2500 gastronomischen Betrieben deutschlandweit ermöglicht und durch die Zusammenarbeit mit der Bewertungsplattform qype eine hohe Transparenz der angebotenen Waren bietet. Auch hier lässt sich beobachten, dass zunächst auf dem bereits etablierten Angebot von Internet Lieferservice – z. B. der Online-Bestellung von Pizza, Pasta oder Sushi aufgebaut wird, um dann das Sortiment auszuweiten – beispielsweise um Cateringangebote, sowie Obst- und Getränke-Bringdienste , die nicht nur für internetaffine Gruppen interessant sind, sondern bei wachsender Bekanntheit sicher auch als Einkaufserleichterung etwa für ältere Menschen große Bedeutung erlangen könnten.
